Chronik der Dauerkolonie Rehberge


Im Rahmen der ab 1926 durchgeführten Gestaltung des Volksparks Rehberge - der Bereichwar bis 1848/49 Sumpfgebiet, diente nach seiner Trockenlegung bis zum 1. Weltkrieg als Schieß- und Truppenübungsplatz und wurde insbesondere durch das Schlagen der Holzbeständeim Winter 1918/19 in den Folgejahren zur Dünenlandschaft - schlug der damalige Gartenbaudirektor des Bezirks Wedding, Rudolf Germer, vor, einen Teil des vom preußischen Forstfiskus erworbenen Geländes für eine Musterdauerkolonie zu verwenden.


Errichtung einer Musterlaube in der Dauerkolonie Rehberge 1929.



Nach Verabschiedung einer entsprechenden Magistratsvorlage am 15.12.1927 wurde die Kleingartenanlage entsprechend der dazu aufgestellten „Richtlinien für die äußere Gestaltung der Dauerkleingartenkolonien“ durch Erwerbslose in Notstandstagewerken errichtet und nach etwa 2-jähriger Bauzeit am 22. Juli 1929 zur Benutzung freigegeben. Von Anfang an war vorgesehen, dass diese Anlage Vorbild für die von der Stadt künftig zu errichtenden Dauerkolonien sein sollte.



Sie hatte zunächst bei einer Größe von rund 130 000 m² 460 Parzellen; eine Erweiterung imJahr 1969 schuf weitere 16 Parzellen bei nunmehr 141.500 m² Anlagengröße. Alle Parzellen haben mit rd. 250 m² eine Größe, die bereits 1830 (Armengärten, 265 m²) als angemessen angesehen wurde und die auch mit der heute für Berlin als wirtschaftlich anerkannten Kleingartengröße weitgehend übereinstimmt. Ein Gang durch die älteste Dauerkleingartenanlage Berlins, in die sich ein Höhenzug - eine nacheiszeitliche Düne - in ostwestlicher Richtung hineinschiebt, ist noch heute lohnend.



Die Anlage wird durch ein rechtwinkliges Wegenetz, das mit dem Volkspark verbunden ist, erschlossen. Die einzelnen Kleingärten, etwa 10 mal 25 Meter groß, liegen mit ihren Schmalseiten beiderseits der von Nord nach Süd führenden Hauptwege, die im Abstand von 100 bis 175 m durch Quergänge miteinander verbunden sind. Einer der Hauptzugänge des Parks führt über die Höhe des „Leutnantsberges“ mitten durch die Kleingartenanlage hindurch, so dass zwei Blöcke im Größenverhältnis 2:5 gebildet werden.


Zu den Gärten hin sind die promenadenmäßig befestigten Wege durch hüfthohe Hecken abgegrenzt. „Japaneske Tempeltore“ bildeten die Eingänge zu den Parzellen; diese sind leider in- zwischen durch sehr verschiedenartige Eingangsgestaltungen ersetzt worden. Die Kleingartenkolonie ist die gärtnerische Fortsetzung und Vollendung der Weddinger Grünanlage Volkspark Rehberge und als solche Bestandteil des in der Denkmalliste Berlin ausgewiesenen Gartendenkmals „Afrikanische Straße, Volkspark Rehberge mit Goethepark und Kolonie Rehberge“.


Im Jahre 1928, noch vor Vollendung der baulichen Anlage, wurde der Kleingartenverein „Dauerkolonie Rehberge e.V.“ gegründet, dessen damaliger 1. Vorsitzender, Richard Wegner, Mitinitiator des gesamten Projektes war. Viele Arbeiten wurden zwecks Ersparung von Kosten in eigener Regie ausgeführt. Besonderen Wert legte man auf die Planung und Gestaltung der Lauben; „von den vielfach üblichen, mit schwarzer Teerpappe benagelten Eierkistenbuden“ sollte ganz abgesehen werden. Drei Typen unterschiedlicher Größe wurden vorgeschrieben und „rhythmisch so verteilt, dass neue abwechslungsreiche Bilder entstehen, aber trotzdem der klare Gestaltungswille deutlich erkennbar bleibt“.


Die Vereinsgeschichte wurde in hohem Maße durch die Kleingärtnerfamilie Wegner geprägt. So hat Erwin Wegner, der Sohn des ´Gründungsvorsitzenden´, über 30 Jahre und der leider viel zu früh verstorbene Enkel Manfred Wegner rd. 5 ½ Jahre als Vereinsvorsitzender für die Gemeinschaft und die Weiterentwicklung der Kleingartenanlage gekämpft.


Trotz vieler gesellschaftspolitischer Veränderungen war und wird es stets vorrangige Aufgabe des Vereins sein, Menschen in gemeinsamer Auseinandersetzung mit der Natur zusammenzu-führen und ihnen einen Ort für aktive Freizeit, Entspannung und Gemeinschaftsleben zu bieten.


Im Wohnumfeld ein Stück Natur und Umwelt erlebbar zu machen und zu erhalten, wo die natürliche Umgebung aus dem alltäglichen Erfahrungsfeld vieler Menschen verschwindet, wird auch in Zukunft unser Ziel sein.